Canberra, Australien

Aktueller City Guide mit Kurzinfos, Reisen, Business und Kultur.

Überblick

Canberra ist Australiens am Reißbrett entworfene Hauptstadt — eine Stadt nationaler Institutionen, Botschaftsviertel rund um Yarralumla und ein See als geometrisches Zentrum, geplant von einem amerikanischen Architekten, der die Vollendung nicht mehr erlebte.

Parlamentarisches Erbe

Kostenlose Führungen durch Parliament House und das Old Parliament House, heute das Museum of Australian Democracy — das architektonische Rückgrat der Bundeshauptstadt entlang der zeremoniellen Landachse.

Nationale Museen am See

Freier Eintritt in die National Gallery, das National Museum, die National Library, die National Portrait Gallery und das Wissenschaftszentrum Questacon — fünf Weltklasse-Institutionen in fußläufiger Distanz am Südufer des Lake Burley Griffin.

Botschaftsspaziergang

Yarralumla, Forrest und Deakin beherbergen über achtzig diplomatische Vertretungen in jeweils eigenem nationalem Baustil — ein einzigartiger zwei- bis dreistündiger Rundgang durch das diplomatische Canberra mit deutscher, österreichischer und schweizerischer Vertretung als Anker.

Australian War Memorial

Schließt die Anzac-Parade-Achse mit einer täglichen Last-Post-Zeremonie um 16:55 Uhr. Eintritt frei, halbtägiger Aufenthalt empfohlen.

Riesling und Shiraz aus kühlem Klima

Cellar Doors in Murrumbateman und Hall — Riesling, Shiraz-Viognier, biodynamischer Pinot Noir auf 500 bis 850 Metern Höhe, 30 bis 45 Minuten außerhalb der Stadt. Vergleichbar mit Mosel und Wachau in der Aromatik.

Floriade und Saisonalität

Frühlings-Blumenfest im Commonwealth Park, Herbstlaub im Parlamentsdreieck, Frost auf dem Lake Burley Griffin im Winter — eine australische Stadt mit tatsächlichen vier Jahreszeiten.

Geschichte

Nach der Föderation 1901 brauchte das junge Commonwealth eine Hauptstadt, die weder Sydney noch Melbourne war — die Verfassung verlangte einen Standort in New South Wales, jedoch mindestens 160 Kilometer von Sydney entfernt. Aus mehr als vierzig Bewerbungen wurde 1908 das Land zwischen den Brindabella-Bergen und der Ebene um Yass ausgewählt, 1913 erfolgte die Grundsteinlegung, und ein internationaler Stadtplanungswettbewerb wurde von dem Chicagoer Architekten Walter Burley Griffin und seiner Partnerin Marion Mahony Griffin gewonnen — mit dem See-und-Achsen-Entwurf, der die Stadt bis heute prägt. 1927 zog die Bundesregierung von Melbourne in das damalige Provisorische (heute Old) Parliament House um. Der Lake Burley Griffin wurde 1964 geflutet, die National Gallery und der Großteil der Museumsinfrastruktur entstanden zwischen Ende der 1970er und Anfang der 2000er Jahre, das neue Parliament House auf dem Capital Hill öffnete 1988 zur Zweihundertjahrfeier. Das Land ist das traditionelle Country der Ngunnawal und Ngambri, anerkannt auf den Begrüßungstafeln der öffentlichen Gebäude der Stadt.

Kultur

Die Lonsdale Street (Braddon) und die Kingston Foreshore sind die dichtesten Straßenzüge für Restaurants — asiatische, nahöstliche und moderne australische Küche dominieren. Die Old Bus Depot Markets in Kingston sind sonntags ganzjährig geöffnet. Die Weinregion Canberra District rund um Murrumbateman ist 30 bis 45 Autominuten von der Stadt entfernt — Clonakilla, Helm und Lark Hill setzen den regionalen Maßstab. Die Kaffeekultur ist für die Stadtgröße ungewöhnlich seriös und konzentriert sich um Lonsdale Street und Manuka. Feste: Floriade (Commonwealth Park, Mitte September bis Mitte Oktober — Australiens größtes Frühlings-Blumenfest), National Multicultural Festival (Civic, Februar), Enlighten Festival (März, Lichtprojektionen und Nachtprogramm), Anzac Day Dawn Service (Australian War Memorial, 25. April), Canberra and Region Heritage Festival (April bis Mai). Museen: National Gallery of Australia, National Museum of Australia, Australian War Memorial, National Portrait Gallery, National Library of Australia, Museum of Australian Democracy at Old Parliament House, Questacon.

Wirtschaft

Wichtige Branchen: Bundesregierung und öffentliche Verwaltung, Diplomatische Vertretungen und internationale Organisationen, Hochschulen und Forschung (ANU, UC, ADFA), Verteidigung und Nachrichtendienste, Kühlklima-Weinbau (Canberra District). Wirtschaftsstandorte: Civic (kommerzielles Stadtzentrum), Parlamentsdreieck (Bundesministerien), Russell (Verteidigung), Bruce (CSIRO und Universität Canberra).

Praktisches

Sicherheit: Canberra zählt durchgängig zu den sichersten Städten Australiens. Übliche Vorsicht im urbanen Raum reicht aus — Kleinkriminalität ist niedrig, Gewaltkriminalität selten. Vorsicht bei Buschwanderungen im Sommer (Schlangen, vor allem am Mount Ainslie und am Black Mountain — auf den Wegen bleiben) sowie beim Autofahren in der Dämmerung in den Außenbezirken (Kängurus auf der Straße). Notruf: 000 (Polizei, Rettung, Feuerwehr). Sprache: Englisch ist Arbeitssprache. Bedeutende multikulturelle Communities — vor allem im öffentlichen Dienst und im diplomatischen Korps — bedeuten, dass Mandarin, Kantonesisch, Koreanisch, Vietnamesisch, Arabisch, Griechisch und Italienisch in den jeweiligen Vierteln verbreitet sind. Deutschsprachige finden in der Botschaft, an der ANU sowie in einzelnen Vereinen Anschluss. Währung: AUD (Australischer Dollar). Karten werden überall akzeptiert, einschließlich kontaktlos in der Stadtbahn und in den meisten Bussen; Bargeld verliert spürbar an Bedeutung.
Reiseüberblick

Canberra existiert, weil sich Sydney und Melbourne nach der Föderation 1901 nicht darauf einigen konnten, welche der beiden Metropolen die Hauptstadt der jungen Australischen Föderation werden sollte. Stattdessen wählte man neutrales Land etwa auf halbem Weg zwischen den beiden Städten — verfassungsrechtlich vorgeschrieben in New South Wales, aber mindestens 160 Kilometer von Sydney entfernt. Den internationalen Wettbewerb um den Stadtplan gewann 1912 das Chicagoer Architekturbüro Walter Burley Griffin und Marion Mahony Griffin mit einem Entwurf, der sich um einen künstlichen See und drei Sichtachsen organisierte — die Geometrie, die das Stadtbild bis heute prägt. 1927 zog die Bundesregierung von Melbourne in das damalige Provisorische Parlament um, der Lake Burley Griffin wurde 1964 geflutet, das neue Parliament House auf dem Capital Hill öffnete pünktlich zum 200-jährigen Jubiläum 1988, und nach und nach versammelten sich entlang des Sees die nationalen Institutionen, die einen Besuch heute strukturieren: das Australian War Memorial am Fuß des Mount Ainslie, die National Gallery und die National Library am Südufer, das National Museum auf der Acton-Halbinsel und das Botschaftsviertel, das sich von Capital Hill südwestwärts über Yarralumla, Forrest und Deakin in Straßenzüge eingeschossiger Residenzen hinter Hecken zieht. Mit rund 470.000 Einwohnern ist Canberra überschaubar, durchgrünt nach den Prinzipien der Gartenstadt mit Buschkorridoren zwischen den Vororten, und in einer Weise jahreszeitlich geprägt, wie es die meisten australischen Küstenstädte nicht sind: echte Frostnächte im Winter (Juni bis August), trockene heiße Sommer mit Höchstwerten in den hohen Dreißigern, ein lange dauerndes Herbstlaubschauspiel im April und Mai dank der von Griffin geplanten europäischen Straßenbäume, und ein Frühling, der vom einmonatigen Floriade-Blumenfest im Commonwealth Park geprägt wird. Die Stadtbahnlinie R1 von Gungahlin bis ins Stadtzentrum wurde 2019 eröffnet und wird derzeit südwärts nach Woden verlängert; Busse von Transport Canberra bedienen die übrige Stadt mit der MyWay+-Karte oder kontaktloser Bankkarte. Der Flughafen Canberra (CBR) ist 25 Autominuten vom Zentrum entfernt; mit dem Auto oder dem Murrays-Fernbus erreicht man Sydney in drei Stunden. Lufthansa, Eurowings, Edelweiss und Swiss bieten zwar keine Direktverbindungen — die typische Anreise aus dem deutschsprachigen Raum führt über Singapur, Doha oder Dubai nach Sydney und dann mit Inlandsflug, Zug oder Mietwagen in die Hauptstadt — die Strecke Frankfurt/München/Wien/Zürich nach Sydney ist eine der längsten Flugverbindungen, die regelmäßig gebucht werden, und Canberra ist der ruhige Gegenpol nach der Ankunft. Wer bereits in Sydney einen Embassy-Termin oder ein Studienprogramm vor sich hat, baut Canberra häufig als Drei-Tage-Erweiterung ein.

Canberra entdecken

Capital Hill und das Parlamentsdreieck

Das Parlamentsdreieck — der Streifen zwischen dem Capital Hill, dem Verteidigungsareal Russell und dem Geschäftszentrum City Hill, mit dem Lake Burley Griffin in der Mitte — ist das zeremonielle Herz des Griffin-Plans. Romaldo Giurgolas Parliament House von 1988 wurde bewusst in den Hügel hineingebaut statt darauf gesetzt, sodass die Öffentlichkeit buchstäblich über die Legislative spazieren kann: das mit Rasen begrünte Dach ist begehbar. Das Mosaik auf dem Vorplatz stammt vom Western-Desert-Künstler Michael Nelson Jagamara und zählt zu den größten Werken indigener öffentlicher Kunst in Australien. Im Inneren bieten kostenlose Führungen täglich einen 25-minütigen Heart-of-the-House-Rundgang oder eine 45-minütige Best-of-Parliament-Tour durch die Members' Hall, den nach Westminster gestalteten roten Senat und das eukalyptusgrüne Repräsentantenhaus. An Sitzungstagen kann man von der Besuchertribüne aus die Question Time miterleben — eine bemerkenswert lebhafte parlamentarische Befragung. Das Old Parliament House von 1927, heute das Museum of Australian Democracy (MoADOPH), bewahrt das Gebäude, von dem aus Australien sechs Jahrzehnte regiert wurde — die Kammern, die Büros der Premierminister und die Pressetribüne sind so erhalten, wie man sie 1988 verlassen hat — ein eindrückliches Zeitdokument australischer Regierungsgeschichte, frei zugänglich am Fuß des Capital Hill.

Lake Burley Griffin: das geometrische Zentrum

Der Lake Burley Griffin entstand 1964 durch Aufstauung des Molonglo River und ist das, was Canberra zusammenhält — fast alle markanten Gebäude der Stadt blicken auf ihn oder stehen an seinem Ufer. Mit etwa elf Kilometern Länge bildet er einen durchgehenden Rundweg von rund 28 Kilometern für Radfahrende und Laufende, mit kürzeren Schleifen näher am Zentrum. Der Captain Cook Memorial Jet, eine 152 Meter hohe Wassersäule, und die National Carillon auf der Insel Aspen Island mit ihren 55 Bronzeglocken — ein Geschenk Großbritanniens zum 50-jährigen Bestehen der Stadt — sind die beiden inszenierten Infrastrukturstücke des Sees. Kajaks und Stand-up-Paddleboards mietet man am Bootshaus Yarralumla, die selbstgesteuerten Elektro-Picknickboote von GoBoat starten am Trevillian Quay, und die Rundfahrten der Lake-Cruises führen am National Library, am High Court, an der National Gallery und am Government House Yarralumla (Residenz des Generalgouverneurs, gelegentlich für öffentliche Tage zugänglich) vorbei. Das Radfahren entlang des Sees ist die natürliche Art, wie Einheimische ihre Stadt erleben — die Strecke verläuft auf fast voller Länge separat von der Straße, bleibt flach und führt an der Acton-Halbinsel, dem Parlamentsdreieck und der Kingston-Foreshore-Promenade entlang. Wer in Sydney mit dem Lufthansa-Langstreckenflug ankommt und die Tage des Jetlags zum Auspendeln braucht, findet hier den geeignetsten Bewegungsrhythmus: lange flache Runden mit ständiger Sichtachse auf das Parlamentsgebäude und das War Memorial.

Die Museen am See — fast alle kostenlos

Das Südufer des Lake Burley Griffin ist eine fast lückenlose Abfolge nationaler Kulturinstitutionen, in den allermeisten Fällen mit freiem Eintritt. Die National Gallery of Australia von 1982 ist eine brutalistische Skulptur in Sichtbeton von Colin Madigan und beherbergt die Hauptsammlung indigener Kunst Australiens (das Aboriginal Memorial — 200 hohle Baumstämme als Sarg-Skulpturen von Künstlerinnen und Künstlern aus Ramingining — rechtfertigt für sich allein den Besuch), eine umfassende australische Kolonial- und Modernekunst-Sammlung mit Sidney Nolans Ned-Kelly-Serie sowie eine bedeutende internationale Sammlung um Jackson Pollocks Blue Poles. Der Skulpturengarten am Seeufer enthält Bert Flugelmans verspiegelte Cones und einen Henry Moore. Die National Portrait Gallery liest das Land über Gesichter; die National Library of Australia in Walter Bunnings 1968 vollendetem Bau, dessen Außenform sich am Parthenon orientiert, zeigt in der Treasures Gallery rotierend James Cooks Endeavour-Tagebuch, den Originalentwurf der australischen Verfassung und Manuskriptbestände. Der High Court und das interaktive Wissenschaftszentrum Questacon (sehr empfehlenswert für Familien) schließen die Reihe vor der Brücke ins Parlamentsdreieck. Auf der gegenüberliegenden Acton-Halbinsel erzählt das National Museum of Australia von 2001 mit seinen farbcodierten Schleifen, dem Garden of Australian Dreams und wechselnden Ausstellungen die vielstimmige Geschichte des Landes — wer sich Zeit nimmt, wird entlohnt.

Australian War Memorial und Anzac Parade

Das Australian War Memorial schließt die große nördliche Sichtachse vom Capital Hill über den Lake Burley Griffin, die Anzac Parade hinauf bis an den Fuß des Mount Ainslie. Es ist gleichzeitig Museum, Ehrenmal mit den in Bronze gegossenen Namen aller im Krieg gefallenen Australierinnen und Australier entlang eines Kreuzgangs um einen Innenhof, und der Ort der täglich um 16:55 Uhr stattfindenden Last-Post-Zeremonie zum Tagesabschluss — eine Schließungszeremonie, zu der sich ganzjährig Familien, Schulgruppen und Reisende einfinden. Die Galerien darunter behandeln den Ersten Weltkrieg (die zentrale Hall of Memory beherbergt das Grab des Unbekannten Soldaten unter einer Mosaikkuppel von Napier Waller), den Zweiten Weltkrieg, die Konflikte nach 1945 und die Friedenseinsätze, mit einer starken Sammlung an Flugzeugen und großformatigen Objekten in der Anzac Hall. Die Anzac Parade selbst ist von Denkmälern für einzelne Truppengattungen und Einsätze gesäumt — das Hellenistische Australische Memorial, das Korea-, das Vietnam-Memorial — und ist zentraler Schauplatz des Anzac Day am 25. April, wenn sich zur Morgendämmerung Zehntausende zur Dawn Service einfinden. Der Eintritt ist frei, das Memorial ist täglich außer am 25. Dezember geöffnet, und ein halber Tag ist das absolute Minimum, das dem Bau gerecht wird.

Yarralumla, Forrest, Deakin — das Botschaftsviertel

Canberra beherbergt mehr als achtzig diplomatische Vertretungen, und die meisten konzentrieren sich in einem Streifen südwestlich des Capital Hill: Yarralumla, Forrest, Deakin, Barton, O'Malley und Red Hill — Vororte, in denen den Botschaften in den folgenden Jahrzehnten großzügige Grundstücke zugewiesen wurden, mit der Vorgabe, in den eigenen nationalen Architekturtraditionen zu bauen. Das Ergebnis zählt zu den dichtesten Sammlungen ausländischer Staatsarchitektur weltweit, allesamt im Wohnhausmaßstab: die indonesische Botschaft an der Darwin Avenue ist ein balinesischer Pavillon-Komplex, die thailändische Vertretung trägt ein traditionelles vergoldetes Wat-Dach, die Hochkommission von Papua-Neuguinea ist ein Haus-Tambaran-Geisterhaus, die finnische Residenz besteht aus Holz und Glas, die US-Botschaft an der Moonah Place ist eine an Williamsburg erinnernde Backstein-Anlage mit weißen Säulen. Für deutschsprachige Reisende interessant: die Deutsche Botschaft in Yarralumla (119 Empire Circuit) ist ein klar gegliederter modernistischer Bau, die Österreichische Botschaft liegt am Northbourne Avenue, die Schweizer Botschaft am Forster Crescent in Yarralumla. Der Spaziergang ist in zwei bis drei Stunden vom Fuß des Capital Hill aus zu schaffen — nicht alle Botschaften empfangen Laufpublikum, aber die Architektur lässt sich von der Straße aus gut beurteilen. Government House Yarralumla, die Residenz des Generalgouverneurs am westlichen Ende des Sees, öffnet seine Gärten nur an gelegentlichen Tagen der offenen Tür; den Kalender führt das Office of the Official Secretary.

Mount Ainslie, Black Mountain und die Buschhauptstadt

Canberra wurde als Gartenstadt konzipiert, mit einheimischen Buschkorridoren zwischen den Vororten und einem Kranz bewaldeter Hügel als visuellem Rahmen. Der Mount Ainslie (843 m) schließt die Anzac-Parade-Achse im Nordosten und ist die populärste kurze Wanderung der Stadt — der Gipfelweg ab dem Trailhead beim War Memorial ist steil, aber in 45 Minuten zu schaffen, und der Ausblick liegt direkt auf der Anzac Parade über den See bis zum weißen Fahnenmast des Parlaments. Der Black Mountain (812 m) auf der anderen Stadtseite trägt den Telstra Tower, der seit 2022 für die Öffentlichkeit geschlossen ist — die Buschwege an seinen unteren Hängen, der Australian National Botanic Gardens an seinem Fuß (spezialisiert auf einheimische Flora, mit einem Regenwald-Tal und einem Eukalyptus-Rasen) und die Aussichtspunkte am Reid Hill auf dem Aufstieg bleiben jedoch sehr lohnend. Der Red Hill auf der südlichen Stadtseite beherbergt im trockenen Sklerophyllwald Leierschwänze und Kängurus und einen Rundwanderweg. Radfahren, Laufen und Vogelbeobachtung sind sämtlich binnen einer Viertelstunde vom Stadtzentrum aus möglich — eine ungewöhnliche Eigenschaft für eine nationale Hauptstadt und einer der Gründe, warum Reisende, die auch Sydney und Melbourne besuchen, Canberra rückblickend als das überraschend lebenswerte Ziel beschreiben.

Canberra District Wines und kühles Klima

Die Weinregion Canberra District ist eine der kühlsten kommerziellen Anbauzonen Australiens — Reben stehen in 500 bis 850 Metern Höhe in den welligen Höhen nordwestlich der Stadt rund um Murrumbateman und Hall, wo die langsame Reife einen aromatischen Riesling, einen pfeffrigen Shiraz mit ausgeprägt nördlich-rhônischem Charakter sowie helle Pinot Noirs und Chardonnays aus kühlem Klima ergibt. Für Weinfreunde aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet sich ein direkter Vergleich an: der Riesling der Region — etwa von Helm Wines, dem meistdekorierten Rieslingerzeuger Australiens — wird gerne mit Mosel, Wachau und Wallis verglichen; sortenrein, oft trocken, aber mit klarer Mineralität und Säurestruktur. Clonakilla in Murrumbateman, von John Kirk gegründet, gilt als Pionier der australischen Shiraz-Viognier-Co-Fermentation; Lark Hill an der Lake-George-Steilstufe arbeitet biodynamisch in großer Höhe. Die meisten Cellar Doors öffnen am Wochenende und liegen 30 bis 45 Autominuten von der Stadt entfernt — Designated-Driver-Touren sind verbreitet. Zurück in der Stadt richtet sich die Restaurantszene an die diplomatische und akademische Bevölkerung: die Lonsdale Street in Braddon und die Kingston Foreshore sind die dichtesten Straßenzüge, mit starker asiatischer Küche (koreanisch, vietnamesisch, sichuan, japanisch), Nahost-Küche und moderner australischer Küche. Auch die Kaffeekultur ist für eine Stadt dieser Größe erstaunlich seriös — die dritte Welle der Röstereien konzentriert sich um Lonsdale Street, Manuka und Kingston.

Praktisches Canberra: Klima, Floriade und Fortbewegung

Canberra hat ein Vier-Jahreszeiten-Klima, das Reisende aus dem küstennahen Australien überrascht: Wintertage von Juni bis August beginnen oft bei Minusgraden mit dichtem Frost am Seeufer, Sommertage von Dezember bis Februar erreichen bei niedriger Luftfeuchtigkeit die hohen Dreißiger, und das herbstliche Laubschauspiel im April und Mai (eine Folge der von Griffin geplanten europäischen Bepflanzung im Parlamentsdreieck) ist eine der stillen Freuden der Stadt — und entspricht eher der Wahrnehmung mitteleuropäischer Reisender als das Stereotyp Australiens. Floriade im Commonwealth Park (Mitte September bis Mitte Oktober) bringt etwa eine Million Blumen in einen einzigen Park und ist das größte Frühlingsereignis — Tageintritt frei, kostenpflichtige Abendausgaben während des NightFest. Das National Multicultural Festival im Februar in Civic — drei Tage Straßenfest mit Essen, Musik und Vereinsständen — ist die andere große Veranstaltung. Die Stadtbahn R1 verbindet Gungahlin mit dem Stadtzentrum und wird derzeit südwärts durch das Parlamentsdreieck nach Woden verlängert; Buslinien gehen vom Civic Interchange sowie den Stadtteilzentren Woden, Belconnen und Tuggeranong sternförmig aus. Bezahlt wird mit der MyWay+-Karte oder kontaktloser Bankkarte. Der Flughafen Canberra (CBR), 15 Autominuten östlich von Civic, hat Direktflüge nach Sydney, Melbourne, Brisbane, Adelaide, Perth und Hobart; ein Murrays-Fernbus fährt in drei Stunden zum Sydney Central Station und ist häufig günstiger, wenn man die Zeit am Flughafen einrechnet. Aus Frankfurt, München, Wien oder Zürich erreicht man Sydney mit einem Stopp in Singapur, Doha oder Dubai (rund 22 bis 24 Stunden Reisezeit); Sydney–Canberra ist anschließend ein einstündiger Inlandsflug, eine dreistündige Autofahrt oder die gleichzeitig laufende Murrays-Coach-Verbindung.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich ein Visum für Canberra?

Die meisten Besucher brauchen vor dem Flug nach Australien eine Reisegenehmigung. Inhaber deutscher, österreichischer, Schweizer und vieler weiterer Pässe beantragen eine Electronic Travel Authority (ETA, Subclass 601) — kleine Servicegebühr, 12 Monate gültig, je Aufenthalt bis zu 3 Monate; andere beantragen ein Visitor-Visum (Subclass 600). Stellen Sie den Antrag, bevor Sie Flüge buchen, da die Bearbeitung dauern kann.

Wann ist die beste Reisezeit für Canberra?

Canberra hat echte vier Jahreszeiten. Der Frühling (Mitte September bis Mitte Oktober) ist die Hauptsaison, wenn Floriade rund eine Million Blumen in den Commonwealth Park bringt; der Herbst (April und Mai) färbt die europäischen Bäume des Parlamentsdreiecks golden. Der Sommer ist warm und trocken, oft in den hohen Dreißigern; Wintermorgen sind frostig und unter null, aber klar. Frühling und Herbst sind am angenehmsten für Stadtspaziergänge.

Wie viele Tage sollte ich für Canberra einplanen?

Ein bis zwei Tage decken das Wesentliche ab. Ein voller Tag reicht für Parliament House, das Australian War Memorial und eines oder zwei der nationalen Museen am See (National Gallery, National Museum oder Questacon), alle mit freiem Eintritt. Ein zweiter Tag erlaubt den Botschaftsspaziergang durch Yarralumla, den Aufstieg auf den Mount Ainslie für den Achsenblick oder einen Ausflug zu den Weingütern des Canberra District.

Wie komme ich nach Canberra und in der Stadt voran?

Der Flughafen Canberra (CBR) liegt 15 Autominuten östlich des Zentrums, mit Direktflügen in die großen australischen Städte; ein Murrays-Fernbus erreicht die Sydney Central Station in rund drei Stunden. In der Stadt verbindet die Stadtbahnlinie R1 Gungahlin mit dem Zentrum, und Busse fahren sternförmig von Civic ab — einfach mit der MyWay+-Karte oder einer kontaktlosen Bankkarte einchecken. Die Runde um den Lake Burley Griffin ist per Rad ein Genuss.

Sind Canberras nationale Museen kostenlos?

Ja — der Eintritt in die Dauerausstellungen der National Gallery of Australia, des National Museum of Australia, der National Portrait Gallery, der Treasures Gallery der National Library, von Questacon und des Australian War Memorial ist frei, ebenso die Führungen durch Parliament House. Große Wanderausstellungen sind in der Regel kostenpflichtig. Es ist eines der besten Kulturangebote des Landes für das Geld.