Zürich, Schweiz

Aktueller City Guide mit Kurzinfos, Reisen, Business und Kultur.

Zürichs Altstadt an der Limmat, Kirchtürme über den Dächern und Brücken über den Fluss.

Die Limmat in der Zürcher Altstadt — Grossmünster und Fraumünster nur wenige hundert Meter voneinander entfernt.

© JFL Photography / Adobe Stock

Überblick

Zürich ist die größte Stadt der Schweiz und für Besucherinnen und Besucher aus Deutschland und Österreich per Direktzug erreichbar — eine kompakte, gut durchdachte Stadt zwischen Limmat-Altstadt, Seeufer und einem der dichtesten Museumsangebote Europas.

Reformation und Altstadt

Grossmünster (Zwinglis Kanzel), Fraumünster (Chagalls Kirchenfenster), Lindenhof, Niederdorf-Gassen und das Cabaret Voltaire als Geburtsort des Dadaismus.

Seeufer und Sommerleben

Zürichsee-Promenaden von Bürkliplatz bis Zürichhorn, Badeanlagen von Mai bis September, Samstags-Flohmarkt am See und Bootsfahrten nach Rapperswil.

Kunstmuseen und Giacometti

Kunsthaus (Chipperfield-Erweiterung 2021, weltgrößte Giacometti-Sammlung), Schweizerisches Nationalmuseum, Museum Rietberg und Museum für Gestaltung.

Wissenschaft und ETH

Polybahn auf den ETH-Campus (Einsteins Hochschule), Terrassenaussicht auf Stadt und Alpen sowie Führungen durch historische Universitätsgebäude.

Bahn-Tagesausflüge

Rheinfall (45 min), Luzern mit Pilatus-Aufstieg (50 min), Stein am Rhein (55 min), Berner Oberland (2 h) — alles ab Zürich HB ohne Umsteigen.

Kreativquartiere und Nachtleben

Im Viadukt Markt, Schiffbau-Theater, Freitag-Turm, Langstrasse-Bars und die Street Parade im August — Europas größte Techno-Parade.

Geschichte

An der Stelle des heutigen Lindenhofs errichteten römische Truppen im ersten Jahrhundert v. Chr. einen Zollposten namens Turicum. Im Jahr 1218 erhielt die Siedlung das Stadtrecht. 1519 begann Huldrych Zwingli vom Grossmünster aus die Schweizer Reformation, die Nordeuropa religiös und politisch umgestaltete. Zürich trat 1351 der Eidgenossenschaft bei. Im 20. Jahrhundert wurde die Stadt zum Zufluchtsort für Intellektuelle und Künstlerinnen: Hugo Ball und Emmy Hennings gründeten 1916 im Cabaret Voltaire den Dadaismus; James Joyce schrieb große Teile des Ulysses zwischen 1915 und 1919 in Zürich und ist auf dem Friedhof Fluntern begraben; die ETH Zürich, 1855 gegründet, bildete Albert Einstein aus und hat über 20 Nobelpreisträgerinnen und -träger hervorgebracht.

Kultur

Zürigeschnetzeltes — Kalbfleischstreifen in Rahm-Weißweinsauce auf Rösti — ist das klassische Gericht der Stadt; Zeughauskeller (gewölbtes Rüstungsdepot beim HB) und Kronenhalle (Wände mit Picasso, Matisse und Chagall; Picasso soll Bilder als Bezahlung hinterlassen haben) sind die bekanntesten Adressen. Die Confiserie Sprüngli am Paradeplatz backt seit 1859 Luxemburgerli. Das Hiltl an der Sihlstrasse, 1898 gegründet, ist das älteste vegetarische Restaurant der Welt. Feste: Street Parade (August) — über 1 Mio. Teilnehmende am Seeufer, Europas größte Techno-Parade, Sechseläuten (April) — Zunftumzug in historischen Kostümen; Verbrennung des Böögg prophezeit den Sommer, Zürich Film Festival (Oktober) — internationale Filmwettbewerbe, Weihnachtsmarkt im Zürich HB (Dezember) — gedeckter Marktbetrieb im Bahnhofsgebäude, Zürich Pride (Juni). Museen: Kunsthaus Zürich — größtes Kunstmuseum der Schweiz; Chipperfield-Erweiterung 2021; weltgrößte Giacometti-Sammlung, Schweizerisches Nationalmuseum — Landesgeschichte im neugotischen Bau am HB, Museum Rietberg — asiatische, afrikanische und ozeanische Kunst in der Villa Rieter, Museum für Gestaltung — Design, Grafik und angewandte Kunst, Haus Konstruktiv — konkrete und konstruktivistische Kunst.

Praktisches

Sicherheit: Zürich zählt weltweit zu den fünf sichersten Großstädten. Die Langstrasse im Kreis 4 hat spät abends ein sichtbares Straßenbild, aber kein besonderes Risiko für aufmerksame Besucherinnen und Besucher. Normale Vorsicht am HB und in der Nacht reicht aus. Sprache: Im Alltag dominiert Züridütsch (Schweizerdeutsch); Hochdeutsch, Englisch und Französisch sind im Reisekontext zuverlässig nutzbar. Museumsbeschilderung in Deutsch und Englisch. Währung: Schweizer Franken (CHF). Kartenzahlung ist fast überall möglich. Die Zürich Card (24h CHF 29, 72h CHF 54) deckt ZVV-Verkehr und 40+ Museumseinstiege ab. Euro werden nicht als reguläres Zahlungsmittel akzeptiert — Frankenbezahlung am Bankomaten ist vorzuziehen.
Reiseüberblick

Zürich ist die größte Stadt der Schweiz und für Reisende aus Deutschland und Österreich per Direktzug erreichbar — aus Stuttgart in rund drei, aus München in gut drei und aus Frankfurt in knapp vier Stunden, ohne Umsteigen. Sie empfängt mit einem ruhigeren Tempo, als man von einer der reichsten Metropolen Europas erwarten würde: übersichtliche Quartiere, eine an der Limmat aufgereihte Altstadt und ein Tram- und S-Bahn-Netz, das das Taxi überflüssig macht. Dazu ein Seeufer zum Baden und eines der dichtesten Museumsangebote Europas — alles zu Fuß und ohne Hektik.

Zürich entdecken

Reformation und Dada in der Limmat-Altstadt

Die Zürcher Altstadt verteilt sich auf beide Limmatufer und belohnt langsames Erkunden zu Fuß. Das Grossmünster auf der linken Flussseite war der Ausgangspunkt der Schweizer Reformation: Huldrych Zwingli predigte hier ab 1519 und veränderte damit die religiöse Ordnung Nordeuropas grundlegend. Im Fraumünster gegenüber hat Marc Chagall 1970 fünf Schiffsfenster mit biblischen Motiven in leuchtendem Blau, Grün, Rot, Gelb und Violett gestaltet. Der Lindenhof-Hügel auf der linken Uferseite — ehemaliger römischer Zollposten — bietet den besten Überblick über beide Kirchturm-Silhouetten und die Limmat-Biegung. Im Niederdorf, dem Ausgehviertel der rechten Uferseite, steht das Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1, wo Hugo Ball (aus dem pfälzischen Pirmasens) und Emmy Hennings (aus Flensburg) im Februar 1916 den Dadaismus begründeten.

Seeufer und öffentliches Seebad

Der Zürichsee erstreckt sich 40 Kilometer südwärts und rahmt die Stadt mit einem öffentlichen Grüngürtel ein, der bei wärmerem Wetter stärker genutzt wird als jede innerstädtische Anlage. Die Uferwege verlaufen ununterbrochen von Enge über Zürichhorn bis nach Küsnacht; Badeanlagen wie das Seebad Enge und das Frauenbad Stadthausquai sind von Mai bis September geöffnet. Der Bürkliplatz — dort, wo die Bahnhofstrasse auf den See trifft — ist samstags Flohmarkt, dienstags und freitags Blumenmarkt. Im Seefeld, dem wohlhabenden Wohnquartier am Ostufer, reihen sich Restaurant-Terrassen am Wasser aneinander. Am Zürichhorn steht das Centre Le Corbusier, ein 1967 fertiggestellter Glas-und-Stahl-Pavillon, der nach Restaurierung wieder als permanente Le-Corbusier-Ausstellung zugänglich ist.

Bahnhofstrasse und Paradeplatz

Die Bahnhofstrasse wurde 1865 auf dem aufgefüllten Stadtgraben angelegt und verläuft 1,4 Kilometer vom Hauptbahnhof bis zum Bürkliplatz am Seeufer. Die Straße ist für Tram und Fußgänger reserviert; ihre Querstraßen erschließen ruhige Laubenpassagen und die Innenhöfe privater Bankgebäude. Paradeplatz, der zentrale Kreuzungspunkt auf halber Strecke, ist von den neugotischen Hauptgebäuden des einstigen Credit Suisse und der UBS flankiert — den zwei Adressen, die das Bild des Schweizer Privatbankings über ein Jahrhundert geprägt haben. Die Confiserie Sprüngli an der Ecke verkauft seit 1859 Luxemburgerli-Macarons und Schokoladetrüffeln. Die Seitenstraßen der Bahnhofstrasse beherbergen die bedeutendsten Bankplätze der Welt.

Kunsthaus Zürich und das Museumsquartier

Das Kunsthaus Zürich ist das größte Kunstmuseum der Schweiz. Der 2021 eröffnete Erweiterungsbau von David Chipperfield — ein skulptural geformter Natursteinblock gegenüber dem Heimplatz — ist über einen unterirdischen Gang mit dem Altbau von 1910 verbunden und hat die Ausstellungsfläche verdoppelt. In ihm ist nun die Giacometti-Stiftungssammlung untergebracht: die weltweit größte und bedeutendste Konzentration von Werken Alberto Giacomettis. Die Dauersammlung reicht von Raphael bis Gerhard Richter und umfasst starke Bestände an französischem Impressionismus sowie Hauptwerke von Monet, Munch, Picasso und Warhol. Das Schweizerische Nationalmuseum am Hauptbahnhof gibt in einem neugotischen Bau Einblick in die Geschichte der Eidgenossenschaft von der Jungsteinzeit bis zur Gegenwart.

ETH Zürich: Einsteins Hochschule

Die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH Zürich) wurde 1855 gegründet und zählt zu den weltweit führenden naturwissenschaftlich-technischen Hochschulen mit über 20 Nobelpreisträgerinnen und -trägern. Albert Einstein studierte hier von 1896 bis 1900 — die bekannteste Alumna-Geschichte eines europäischen Polytechnikums. Die Hauptgebäude liegen auf dem Rämiberg hinter dem Kunsthaus und sind per Polybahn erreichbar: die zweiminütige Standseilbahn von der Haltestelle Central zum Campus bietet auf der Terrasse der Sternwarte eine der besten Aussichten über die Stadt, den See und die Alpen. Das ETH-Hauptgebäude mit seiner historischen Säulenfront zählt zu den stimmungsvollen Bildungsräumen Europas.

Zürich West: Industrieumnutzung und Langstrasse

Kreis 5 — Zürich West — war bis in die 1980er Jahre ein Industrie- und Gasarbeiterquartier. Seine Transformation ist eine der überzeugendsten Europas: Die 540 Meter langen Eisenbahnbögen des Im Viadukt wurden zu einem gedeckten Markt mit Spezialgeschäften; die ehemalige Schiffbau-Eisenhalle ist heute Spielstätte des Schauspielhauses; der Freitag-Turm aus gestapelten Schiffscontainern ist Flagship der 1993 in Zürich gegründeten Recyclingtaschen-Marke; der Prime Tower war von 2011 bis 2020 das höchste Gebäude der Schweiz. Die angrenzende Langstrasse im Kreis 4 ist Zürichs lebendigste Ausgehstraße mit Restaurants, Bars und Clubs ab Dienstag. Im August findet hier und am Seeufer die Street Parade statt — über eine Million Teilnehmende machen sie zur größten Open-Air-Veranstaltung der Schweiz.

Tagesausflüge ab Zürich HB

Zürich HB ist einer der meistfrequentierten Bahnhöfe Europas und ausgezeichneter Startpunkt für Tagesausflüge. Der Rheinfall bei Schaffhausen — Europas größter Wasserfall nach Durchflussvolumen, 150 Meter breit und 23 Meter hoch — ist in 45 Minuten per Direktzug erreichbar. Luzern liegt 50 Minuten entfernt und bietet per Schiff oder Zahnradbahn Aufstieg auf Pilatus (2.132 m) oder Rigi. Stein am Rhein mit seinen bemalten Fassaden und dem mittelalterlichen Grundriss ist in unter einer Stunde erreichbar. Das Berner Oberland — Interlaken, Grindelwald, Jungfraujoch — liegt rund zwei Stunden entfernt. Der Bodensee und die Klosterinsel Reichenau sind in 90 Minuten zu erreichen. Alle Routen starten direkt am HB ohne Umsteigen.

Anreise und Mobilität

Direktzüge aus Deutschland erreichen Zürich HB ohne Umsteigen: Stuttgart (ca. 3 Stunden), München (ca. 3¼ Stunden per EC über Lindau), Frankfurt (ca. 3¾ Stunden per ICE). Nachtverbindungen bestehen per Nightjet. Der Flughafen ZRH ist per S-Bahn in zehn Minuten mit dem HB verbunden. Innerhalb der Stadt erschließen Tram und S-Bahn alle Besucherziele im ZVV-Verbund. Die Zürich Card (24 Stunden CHF 29, 72 Stunden CHF 54) deckt alle ZVV-Verkehrsmittel und den Eintritt in über 40 Museen ab. Landeswährung ist der Schweizer Franken (CHF) — Kartenzahlung ist fast überall möglich, Bargeld bleibt für Märkte und kleine Kioske sinnvoll.

Häufig gestellte Fragen

Wie komme ich aus Deutschland nach Zürich, und brauche ich Euro?

Per Direktzug ohne Umsteigen: aus Stuttgart in rund drei Stunden, aus München in gut drei und aus Frankfurt in knapp vier — der Zug hält mitten in der Stadt am Zürich HB und erspart den Zeitverlust eines Kurzstreckenflugs. Zur Währung: Die Schweiz gehört nicht zum Euroraum und rechnet in Schweizer Franken (CHF). Euro werden nur in größeren Hotels zu schlechten Kursen genommen — am besten am Bankomaten CHF beziehen und mit Karte zahlen.

Kann man im Zürichsee baden?

Ja — von Mai bis September ist das Seeufer die meistgenutzte Freizeitfläche der Stadt, mit öffentlichen Badeanstalten wie dem Seebad Enge und dem Frauenbad Stadthausquai. Die Uferwege verlaufen ununterbrochen von der Enge bis nach Küsnacht, und am Bürkliplatz, wo die Bahnhofstrasse auf den See trifft, ist samstags Flohmarkt.

Lohnt sich das Kunsthaus Zürich?

Ja — es ist das größte Kunstmuseum der Schweiz, und der 2021 eröffnete Erweiterungsbau von David Chipperfield beherbergt die weltweit wichtigste Giacometti-Sammlung sowie Werke von Monet, Picasso, Munch und Warhol. Der Neubau ist über einen unterirdischen Gang mit dem Altbau verbunden; ein Kombiticket deckt beide Häuser ab.

Welche Tagesausflüge lohnen sich ab Zürich?

Vom Zürich HB fahren Direktzüge zum Rheinfall bei Schaffhausen (dem größten Wasserfall Europas), nach Luzern am Vierwaldstättersee, in das mittelalterliche Städtchen Stein am Rhein und ins Berner Oberland. Die meisten sind als Halb- oder Tagesausflug ohne Auto machbar — die dichte SBB-Taktung macht Zürich zu einer bequemen Basis für den Norden und die Zentralschweiz.