Gesundheit & Sicherheit
Japan: was praktisch wirklich zählt
Japans Ruf als sicheres Land ist verdient und keine Werbung — Gewaltverbrechen gegen Reisende sind landesweit selten. Die Punkte, die tatsächlich Aufmerksamkeit verlangen, liegen woanders: bei einem strengen Arzneimittelrecht, das Reisende mit ganz gewöhnlichen Mitteln aus der heimischen Apotheke in Schwierigkeiten bringt, bei der Krankenversicherung, die anders funktioniert als innerhalb Europas, bei einem eng umgrenzten Betrugsmuster in den Ausgehvierteln — und bei der ehrlichen Frage, was man eigentlich tut, wenn aus einem der häufigen kleinen Erdbeben einmal ein größeres wird. Nichts davon soll die Reise überschatten; es ist die praktische Schicht darunter.
Aktualisiert: 2026-08-26
Kriminalität: sehr niedrig, mit einer echten Ausnahme
Die niedrige Kriminalitätsrate ist ein reales, landesweit gleichmäßiges Phänomen und kein Ruf, der nur für eine Stadt gilt. Gewaltverbrechen gegen Reisende sind selten, Diebstahl ist selbst in vollen Touristenbereichen unüblich, und das alltägliche Gefühl körperlicher Sicherheit beim nächtlichen Gehen — auch allein — unterscheidet sich spürbar von dem in den meisten anderen großen Volkswirtschaften. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen bleiben richtig, sind hier aber eher Formsache als echte Sorge.
Die eine wiederkehrende Ausnahme sollte man beim Namen kennen: In den Ausgehvierteln, allen voran Kabukicho und Roppongi, gibt es ein festes Muster aus Anwerbung und überhöhter Rechnung. Ein freundlicher Schlepper auf der Straße führt Gäste in eine Bar oder einen Club, der anschließend eine völlig überzogene Rechnung präsentiert, gelegentlich mit Druck, sofort zu zahlen. Die Abwehr ist einfach: jede unaufgeforderte Einladung von der Straße rundweg ablehnen und Lokale selbst auswählen, statt jemandem zu folgen, der einen anspricht. Dieses eine Muster erklärt den größten Teil der wirklich vermeidbaren Ärgernisse, von denen Reisende im ganzen Land berichten.
Versicherung, Behandlung und das Arzneimittelrecht
Der wichtigste Punkt zuerst, weil er die verbreitetste falsche Annahme betrifft: Die Europäische Krankenversicherungskarte gilt in Japan nicht. Sie deckt Behandlungen innerhalb der EU und einiger weiterer europäischer Staaten ab, und Japan gehört nicht dazu. Eine Auslandsreise-Krankenversicherung mit echter medizinischer Deckung und Rücktransport ist damit keine optionale Zusatzbuchung, sondern der Normalfall. Japans Gesundheitswesen ist ausgezeichnet, aber für Besuchende nicht kostenfrei, und selbst gezahlte Behandlungskosten summieren sich bei allem jenseits einer Kleinigkeit rasch. Apotheken sind dicht gesät und für die üblichen Beschwerden gut ausgestattet; englischsprachiges Personal findet sich eher in Apotheken in großen Hotels und Touristenbereichen als an einer beliebigen Theke im Viertel.
Das japanische Arzneimittelrecht, das Yakkanho, beschränkt oder verbietet die Einfuhr bestimmter Medikamente, die anderswo verbreitet und frei erhältlich sind. Am ehesten betroffen sind zwei Gruppen: Erkältungs- und Allergiemittel mit stimulierenden Wirkstoffen zum Abschwellen der Nasenschleimhaut, wie sie hierzulande rezeptfrei in jeder Apotheke stehen, und ein Teil der Mittel gegen ADHS — in manchen Fällen unabhängig davon, ob ein ärztliches Rezept aus dem Heimatland vorliegt. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte die eigenen Präparate rechtzeitig vor der Abreise über eine amtliche Quelle gegen die aktuellen japanischen Einfuhrregeln prüfen. Mit einem verbotenen Mittel anzukommen, ist ein echtes Problem beim Zoll und keine Formsache.
Verhalten: jenseits des Offensichtlichen
Schuhe werden ausgezogen, bevor man Wohnungen, traditionelle Unterkünfte, viele Tempel und manche Restaurants betritt — das Schuhregal oder die Stufe des Genkan sind das sichtbare Zeichen, und im Zweifel liegt man mit dem Ausziehen selten falsch und mit dem Anbehalten schnell daneben. In Zügen und Bussen gilt eine leise Etikette: keine Telefonate, gedämpfte Gespräche, rücksichtsvolle Kopfhörerlautstärke. Man erkennt sie binnen Minuten, indem man auf dem Bahnsteig einfach die anderen ansieht. Zur selben Rücksicht gehört ein Punkt, der aus dem deutschsprachigen Alltag heraus überrascht: sich in der Öffentlichkeit zu schnäuzen gilt als unfein — man zieht die Nase hoch oder tritt kurz beiseite.
Beim Essen gibt es zwei Fehler mit den Stäbchen, die wirklich zählen: Stäbchen niemals aufrecht in eine Reisschale stecken, weil die Geste den Räucherstäbchen bei einer Totenfeier gleicht, und Essen niemals direkt von Stäbchen zu Stäbchen weitergeben, weil das an ein Ritual mit Knochenresten nach der Einäscherung erinnert. Beides sind keine Feinheiten für Fortgeschrittene, sondern echte Fauxpas.
Und ein praktischer Punkt, der viele überrascht: Es gibt kaum öffentliche Abfalleimer. Müll wird mitgenommen und dort entsorgt, wo er entsteht — im Convenience-Laden, im Hotel, in der Unterkunft. Eine kleine Tüte in der Tasche löst das Problem für den ganzen Tag.
Sprache und Erreichbarkeit
Die englische Beschilderung hat in den großen Städten und im Bahnsystem stark zugelegt, dünnt außerhalb der touristischen Kerne und Hotels aber schnell aus, und auf gesprochenes Englisch im Alltag außerhalb der belebten Bereiche von Tokio und Kyoto zu bauen, ist optimistisch. Eine Übersetzungs-App mit vor der Abreise heruntergeladenem Japanisch-Offlinepaket und eine Handvoll Redewendungen — sumimasen für „Entschuldigung“, arigatou gozaimasu für „vielen Dank“ — decken den größten Teil der praktischen Lücken.
Erreichbarkeit zählt hier mehr als in vielen anderen Zielen, weil Navigation, Übersetzung und zunehmend auch das Bestellen im Restaurant eine funktionierende Datenverbindung voraussetzen. Ein gemieteter mobiler Hotspot oder eine japanische Daten-SIM, besorgt vor oder unmittelbar nach der Ankunft, gehört deshalb zur normalen Vorbereitung — sich auf das WLAN im Hotel zu verlassen, trägt keinen ganzen Tag unterwegs.
Die Notrufnummern lauten 110 für die Polizei und 119 für Rettungsdienst und Feuerwehr. Diese beiden Nummern gehören ins Telefon, bevor sie gebraucht werden — die Nummer, die man von zu Hause auswendig kennt, ist hier nicht die richtige.
Erdbeben und Taifune: was man tatsächlich tut
Dass Japan viele Erdbeben hat, ist allgemein bekannt; nützlicher als die Statistik ist das Verhalten. Wenn es bebt, gilt: hinunter, unter ein stabiles Möbelstück, festhalten, bis das Schütteln aufhört — und danach der ausgeschilderten Fluchtwegführung folgen, statt sofort ins Freie zu laufen, weil herabfallende Teile direkt vor einem Gebäude in den ersten Momenten die größere Gefahr sind. Den Fluchtweg und den nächsten Ausgang der eigenen Unterkunft bei der Ankunft kurz anzusehen, dauert zwei Minuten und sollte dieselbe Gewohnheit sein wie der Blick auf den Notausgang im Flugzeug.
An den Küsten kommt nach einem stärkeren Seebeben das Tsunami-Risiko hinzu. Die ausgeschilderten Fluchtwege zu höher gelegenem Gelände — meist blau-weiß — sollte man in jedem Küstenort, in dem man übernachtet, einmal bewusst wahrgenommen haben, auch ohne damit zu rechnen. Die Taifunzeit von etwa Juni bis Oktober kann Zug- und Flugpläne kurzfristig stören; ein Puffertag in jeder Route, die dieses Fenster kreuzt, fängt das ab. Die App „Safety Tips“, die an die Warnungen der japanischen Wetterbehörde angebunden ist, liefert englischsprachige Meldungen zu Erdbeben und Taifunen und ist die nützlichste einzelne Vorbereitung, die Reisenden zur Verfügung steht.