Reise-Vertiefung

Jenseits von Honshu: zwei andere Japans

Tokio, Kyoto und Osaka liegen alle auf Honshu, der Hauptinsel, und die meisten Erstbesuchenden verlassen sie nie — was vernünftig ist, wenn man bedenkt, wie viel allein diese drei Städte tragen. Hokkaido im Norden und Okinawa im Süden sind dagegen eigene Reisen und keine natürlichen Verlängerungen einer Honshu-Route: Hokkaido, weil sein Klima und sein Kalender fast gegenläufig zum Rest des Landes verlaufen; Okinawa, weil Geschichte, Küche und Natur dort auf ein Königreich zurückgehen, das bis ins 19. Jahrhundert nicht zu Japan gehörte. Beide verlangen eine bewusste Entscheidung, keinen Zwischenstopp.

Aktualisiert: 2026-08-26

Hokkaido: ein eigener Kalender

Hokkaidos Jahreszeiten sind nicht einfach kälter als die des Festlands, sie folgen einem anderen Rhythmus, der die Insel je nach Zeitpunkt zu etwas anderem macht. Der Winter dreht sich um das Schneefestival in Sapporo, das die Stadt jedes Jahr im Februar mit gewaltigen Schnee- und Eisskulpturen füllt, und um den Ruf von Niseko und Furano als Pulverschneeziele ersten Ranges. Der Sommer kippt die Insel vollständig: Die Lavendelfelder von Furano stehen im Juli in Blüte und ziehen ein völlig anderes Publikum an als die Skisaison, und der Nijo-Markt in Sapporo wird zum Ort für Seeigel, Krabbe und Lachs aus den kalten Fanggründen ringsum.

Für Gäste aus dem Alpenraum lohnt die genaue Frage, was den japanischen Schnee eigentlich anders macht: Kalte Luft aus Sibirien zieht über das Japanische Meer, nimmt Feuchtigkeit auf und lädt sie an Hokkaidos Bergen ab, bevor sie schwer werden kann — daher der außergewöhnlich trockene Pulverschnee. Das Gelände ist dabei weniger steil und weniger hoch als in den Alpen; die Freude liegt im Waldskifahren und in der schieren Menge, nicht in Höhenmetern und Steilheit. Wer mit alpinen Maßstäben anreist, misst die falsche Größe. Jenseits der beiden Vorzeigesaisons hält Hokkaido zudem echte Wildnis in einem Ausmaß, das in Japan selten ist: der Daisetsuzan-Nationalpark, der größte des Landes, und die Halbinsel Shiretoko, UNESCO-Welterbe an der abgelegenen Nordostspitze, stehen beide für ein Japan aus Weite statt Dichte.

Okinawa: das andere Japan

Okinawa war jahrhundertelang das unabhängige Königreich Ryukyu, bevor Japan es 1879 förmlich eingliederte, und diese eigene Geschichte prägt die Inseln bis heute sichtbar: eine eigene Sprachfamilie (Uchinaguchi, historisch ein eigener Zweig und kein japanischer Dialekt), eine Küche aus Zutaten und Techniken, die das Festland nie übernommen hat, und eine Bau- und Kunsttradition, die historisch enger mit den Handelspartnern jenseits des Ostchinesischen Meeres verbunden war als mit Kyoto oder Tokio. Die Burg Shuri, einst Königspalast der Ryukyu-Herrscher, bleibt das deutlichste Sinnbild dieser eigenständigen Vergangenheit, auch wenn Teile der Anlage über die Jahrzehnte mehrfach zerstört und wiederaufgebaut wurden.

Schon die Küche trägt eine Reise: Goya Champuru, eine Pfanne auf Basis der Bittermelone, Okinawa Soba (Weizennudeln trotz des Namens und ein anderes Gericht als die Buchweizen-Soba des Festlands) und Awamori, ein gebrannter Reisschnaps, den es nur hier gibt. Das ist keine regionale Abwandlung japanischer Küche, sondern eine eigenständige Entwicklung. Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs gehört auf diesen Inseln in denselben sachlichen Ton wie in Hiroshima: Die Schlacht um Okinawa forderte 1945 die höchste Zahl ziviler Opfer aller Schlachten des Pazifikkriegs, und der Friedenspark in Itoman bewahrt diese Geschichte für alle, die sie verstehen wollen — neben einer Gegenwart als eines der beliebtesten subtropischen Reiseziele Japans.

Korallenriffe und eine Natur, die es sonst nirgends in Japan gibt

Okinawas subtropisches Klima und die umgebenden Korallenriffe stellen die Inseln ökologisch in eine ganz andere Klasse als den Rest des Landes; Tauchen und Schnorcheln zählen hier zum Besten in Asien und sind keine Nebenbeschäftigung. Die Kerama-Inseln, eine kurze Bootsfahrt von Naha entfernt, sind für ihre außergewöhnliche Wasserklarheit bekannt — das oft zitierte „Kerama-Blau“ —, und die weiter entfernten Inseln, allen voran Ishigaki und Miyako, führen noch tiefer in unberührte Riffe für alle, die die zusätzliche Anreise auf sich nehmen. Der Gegensatz zu Hokkaidos Kaltwasserküche am anderen Ende desselben Landes ist ungefähr so vollständig, wie Japans Geografie ihn zulässt.

Anreise — und warum es eine Erweiterung ist und kein Anhängsel

Beide Regionen verlangen eine echte Anreise, und genau deshalb funktionieren sie als eigener Abschnitt und nicht als schneller Zusatz. Okinawa ist ausschließlich per Flug erreichbar — es gibt keine Bahnverbindung —, ab Tokio in etwa zweieinhalb bis drei Stunden. Hokkaido erreicht man in rund neunzig Minuten mit einem Inlandsflug oder über die Hokkaido-Shinkansen-Verlängerung durch den Seikan-Tunnel, wobei die Bahnfahrt bis Sapporo deutlich länger dauert als der Flug.

Für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum verschiebt sich die Rechnung dabei an einer Stelle: Nach elf bis zwölf Stunden Anflug wiegt ein zusätzlicher Inlandsflug psychologisch wenig. Die Frage ist nie, ob sich der Flug lohnt, sondern wie viele Tage einer festgelegten Reise die Region bekommt. Bei zwei Wochen bleibt für Honshu und eine dieser Regionen kaum genug übrig, ohne beides zu beschneiden; ab drei Wochen trägt eine von beiden gut. Wer weniger Zeit hat, fährt besser damit, Honshu die volle Reise zu lassen und Hokkaido oder Okinawa als guten Grund für die nächste zu behandeln.

Häufig gestellte Fragen

Soll man Hokkaido oder Okinawa in die erste Japanreise aufnehmen?

Nur wenn die Reise lang genug ist, um der Region eigene Tage zu geben. Beide verlangen echte Anreisezeit und bieten ein völlig anderes Erlebnis als die Honshu-Runde, sodass ein Anhängsel an eine erste Tokio-Kyoto-Osaka-Reise beide Hälften beschneidet. Ab etwa drei Wochen geht eine von beiden gut auf; darunter lohnt es sich, Honshu die ganze Zeit zu lassen.

Wann fährt man am besten nach Hokkaido?

Das hängt ganz davon ab, was Sie suchen: Februar für das Schneefestival in Sapporo und den Pulverschnee in Niseko oder Furano, Juli für Lavendelfelder und die beste Zeit für Meeresfrüchte. Die beiden Hälften des Jahres sind so verschieden, dass die Frage nach der besten Zeit eigentlich lautet, welches Hokkaido Sie zuerst sehen wollen.

Lohnt sich Japan zum Skifahren für Gäste aus dem Alpenraum?

Ja, aber aus anderen Gründen als in den Alpen. Kalte sibirische Luft über dem Japanischen Meer erzeugt außergewöhnlich trockenen Pulverschnee in großer Menge; das Gelände ist dafür weniger steil und weniger hoch, und der Reiz liegt im Waldskifahren statt in Höhenmetern. Wer mit alpinen Maßstäben misst, misst die falsche Größe.

Ist Okinawa kulturell wirklich anders als der Rest Japans?

Verwaltungstechnisch gehört es zu Japan, kulturell ist es eigenständig: Okinawa war bis zur Eingliederung 1879 das unabhängige Königreich Ryukyu, und das zeigt sich bis heute in einer eigenen Sprachfamilie, einer eigenen Küche (Goya Champuru, Okinawa Soba, Awamori) und einer subtropischen Riffnatur, die es sonst nirgends im Land gibt.

Teil von Reiseführer Japan.

Nutzen Sie diese Visaja-Seite als Ausgangspunkt und bestätigen Sie geltende Regeln vor der Antragstellung direkt bei der offiziellen Stelle.